Grüner Blick

08

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June

2026

Soziokulturelle Integrationsarbeit stärken

Wer Integration schwächt, schwächt Kassel

Die Rathausgrünen lehnen die auf Bundesebene beschlossenen Kürzungen im Bereich der Sprach- und Integrationsförderung ab. Die grüne Fraktion hat den Magistrat gebeten, diese Ablehnung gegenüber der Bundesregierung sowie den zuständigen kommunalen Spitzenverbänden deutlich zum Ausdruck zu bringen. Sie fordert eine verlässliche Finanzierung entsprechender Angebote. Die Grünen möchten außerdem auf die negativen Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen auf Einrichtungen und Träger in Kassel hinweisen.

„Fast die Hälfte aller Menschen in Kassel hat einen Migrationshintergrund. Migration ist Teil dieser Stadt - sie bereichert sie kulturell, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wer Integration schwächt, schwächt Kassel.“ Mustafa Gündar, Sprecher der Rathausgrünen für Integration, Jugend und Sport

 

Orte demokratischer Teilhabe

Gündar betont die Bedeutung von Angeboten wie Sprach- und Integrationskursen: „Seit vielen Jahren unterstütze ich ehrenamtlich Migrantinnen und Migranten. Und ich erlebe immer wieder: Integration scheitert selten an mangelnder Bereitschaft. Sie scheitert an fehlenden Zugängen, an unsicheren Strukturen.“

Gündar schildert beispielhaft eine Szene aus einem soziokulturellen Zentrum, in dem sich Menschen ausverschiedenen Ländern austauschen, miteinander reden, in dem es eine Hausaufgabenhilfe für Kinder gibt, wo Geflüchtete beraten werden und Jugendliche zusammen Fußball spielen. „Das ist keine Theorie, kein Wunschdenken. Das passiert – in soziokulturellen Zentren wie dem Kulturzentrum Schlachthof hier in Kassel“, erklärt er.

„Diese Zentren sind mehr als Begegnungsorte – sie sind Orte demokratischer Teilhabe. Wer die Sprache nicht spricht, wer Behörden nicht versteht, der kann seine Rechte nicht wahrnehmen, kann nicht mitgestalten. Wer die Unterstützung für diese Menschen schwächt, schwächt die Demokratie.“ Mustafa Gündar, Sprecher der Rathausgrünen für Integration, Jugend und Sport

 

Kürzung mit anderem Namen

Viele dieser Zentren stehen laut Gündar allerdings dauerhaft unter Druck. Sie sind zwar gesellschaftlich unverzichtbar, finanziell und politisch aber nicht ausreichend abgesichert. Die Lage für sie verschärft sich aus seiner Sicht gerade auf Bundesebene. Auch wenn seit 1. Juni ein Zulassungsstopp für freiwillige Integrationskurse für 130.000 Menschen aufgehoben ist, folgt ein begrenztes Kontingent, abhängig vom Bundeshaushalt.

„Integrationskurse funktionieren seit 20 Jahren, vier Millionen Menschen haben sie besucht. Und nun werden sie gekürzt und rationiert. Wer im Asylverfahren ist, bekommt künftig nur noch die Hälfte eines regulären Kurses. Das ist keine Verbesserung. Das ist Kürzung mit anderem Namen. Und das auf Kosten der Schwächsten“, kritisiert Gündar. „Wer Integration ausbremst, sorgt für Ausgrenzung.“ Mustafa Gündar, Sprecher der Rathausgrünen für Integration, Jugend und Sport

Der Antrag der Rathausgrünen verfolgt außerdem, dass geprüftwird, welche kommunalen Handlungsspielräume bestehen, um diese Angebote der Sprach- und Integrationsförderung langfristig zu sichern.